Der Konstanzer Arbeitskreis für mittelalterliche Geschichte ist ein eingetragener Verein. Er ergänzt sich durch Kooptatation. An seiner Spitze steht ein aus der Vorsitzenden und drei stellvertretenden Vorsitzenden bestehender Vorstand. Zweck des am 30. März 1960 gegründeten Vereins ist die „Förderung der mittelalterlichen Geschichtsforschung“.

Sein institutioneller Vorgänger war ein „Städtisches Institut für geschichtliche Landesforschung des Bodenseegebietes“, das von der Stadt Konstanz auf der Basis eines Beschlusses vom Jahre 1948 im Jahre 1951 ins Leben gerufen wurde. Die Gründung eines städtischen „Instituts für Kunst, Kultur und Geschichte des Bodenseeraums“ wurde bereits im Herbst 1945 von dem Konstanzer Stadtarchivar Otto Feger (1905-1968) konzipiert und in den folgenden Jahren, unterstützt von Karl Siegfried Bader (1905-1998), Franz Beyerle (1885-1977) und dem Konstanzer Oberbürgermeister Franz Knapp (1881-1973), erfolgreich umgesetzt. Der Plan konnte realisiert werden, nachdem es gelungen war, im Jahre 1950 Theodor Mayer (1883-1972), zuletzt 1942-1945 Präsident des „Reichsinstituts für ältere deutsche Geschichtskunde“ (Monumenta Germaniae historica) für die Leitung zu gewinnen. Am 30. Oktober 1951 wurde das „Städtische Institut“ mit einer Arbeitssitzung eröffnet.

Theodor Mayer leitete den Konstanzer Arbeitskreis bis zum Frühjahr 1968. Nach seinem Umzug nach Salzburg in diesem Jahr übertrug die Mitgliederversammlung die Leitung einem Dreiergremium. Als Vorsitzende standen seitdem an der Spitze Josef Fleckenstein von 1968 bis 1971, Peter Classen 1971/72 und Helmut Beumann 1972 bis 1988. Seit 1988 spielte sich ein Vorstandswechsel in einem etwa dreijährigen Rhythmus ein. Johannes Fried war Vorsitzender von 1988 bis 1991, Harald Zimmermann 1991 bis 1994, Peter Moraw 1994 bis 1998, Jürgen Petersohn 1998 bis 2001, 2001 bis 2007 Stefan Weinfurter und Thomas Zotz 2007 bis 2013. Seit September 2013 hat Claudia Zey den Vorsitz inne.

Vom 30. Oktober 1951 bis zum Februar 2001 fanden in Konstanz in der Regel sechsmal jährlich jeweils an einem Samstagnachmittag Arbeitssitzungen mit wissenschaftlichen Vorträgen und Diskussionen statt. Die Einrichtung der Samstagssitzungen wurde 1964 auch auf Hessen übertragen. Hier wechselt der Ort der Arbeitssitzungen zwischen den Universitätsstädten Frankfurt/Main, Gießen und Marburg, in der Regel finden sie dreimal je Semester statt. Die Koordination der hessischen Sitzungen liegt in der Hand des jeweiligen Marburger Lehrstuhlinhabers bzw. der Lehrstuhlinhaberin.

Bereits seit Oktober 1952 veranstaltete Theodor Mayer zusätzlich zu den ursprünglich allein vorgesehenen Konstanzer Sitzungen zweimal jährlich mehrtägige Arbeitstagungen. Ihr Ort wechselte zunächst zwischen der Insel Mainau, Schloß Zeil, der Insel Reichenau, Donaueschingen und Lindau, seit 1957 wurde die Insel Reichenau im Bodensee ständiger Tagungsort. Die unter der Bezeichnung „Reichenautagungen“ bekanntgewordenen Arbeitstagungen stehen jeweils unter einem bestimmten Thema, das entweder auf einer einmaligen Tagung oder in einem Tagungszyklus behandelt wird.

Die Ergebnisse der Tagungen werden zunächst in der Form von Protokollen verbreitet, die die Vorträge, meist in Kurzform, und den Diskussionsverlauf enthalten. Einer weiteren wissenschaftlichen Öffentlichkeit werden die Tagungsergebnisse durch ihre Publikation in überarbeiteter und zum Teil erheblich erweiterter Form in der seit 1955 bestehenden Reihe „Vorträge und Forschungen“ des Jan Thorbecke Verlags, jetzt Stuttgart, zugänglich gemacht. Diese Reihe wird ergänzt durch die Reihe „Sonderbände“, in der im Umfeld des Arbeitskreises entstandene Monographien publiziert werden.

Arbeitssitzungen und Arbeitstagungen sind interdisziplinär angelegt. Dem seit Beginn international zusammengesetzten, in jeder Hinsicht heterogenen Kreis der Referenten wie der Teilnehmer gehören neben Mediaevisten im engeren Sinne Vertreter von Archäologie, alter Geschichte, Byzantinistik, Germanistik, Kunstgeschichte, Rechtsgeschichte und Wirtschaftsgeschichte an.

Die Tagungsthemen weisen ein weites inhaltliches Spektrum auf, innerhalb dessen mit landesgeschichtlichen Methoden im Rahmen eines sich ständig erweiternden Begriffes von Verfassungsgeschichte systematisch geforscht wird. In den letzten Jahrzehnten werden aktuelle Fragestellungen, so aus den Bereichen der Bildungsgeschichte, der Mentalitätsforschung, der Konfliktregelung und der Frömmigkeitsgeschichte, umfassend mit einbezogen. Die Teilnahme an einer Tagung ist an eine Einladung durch den Veranstalter gebunden.